Virusforschung: Computer helfen, Viren besser zu verstehen
Ob Corona oder Affenpocken: Viren verändern sich rasend schnell. Ein neuer Forschungsverbund mit Beteiligung der Universität Leipzig will Viren nun mit Computer-Werkzeugen schneller entschlüsseln und so besser auf künftige Ausbrüche vorbereitet sein.
Corona, HIV, Ebola oder Affenpocken: Viren können sich schnell verändern und stellen Forschende immer wieder vor neue Herausforderungen. Ein neuer Forschungsverbund will dabei helfen, sie schneller zu erkennen und besser zu verstehen.
Daran beteiligt ist auch die Universität Leipzig. Im neuen Sonderforschungsbereich "VirusREvolution" entwickeln Forschende digitale Werkzeuge, die die Virusforschung unterstützen sollen.
Drei Fachgebiete arbeiten zusammen
Der Sonderforschungsbereich wird von der Universität Jena koordiniert. Sprecherin ist Prof. Dr. Manja Marz. Sie hat einst im Labor von Prof. Dr. Peter Stadler geforscht, der heute an der Universität Leipzig Bioinformatik lehrt. "Wir entwickeln vor allem Werkzeuge am Computer, die Virologinnen und Virologen in ihrer Arbeit unterstützen", erklärt sie.
Genau das ist das Ziel des Forschungsverbunds. Virologie, Bioinformatik und Photonik, also Technologien, die mit Licht arbeiten, sollen gemeinsam helfen, das Erbgut, den Aufbau und die Entwicklung von Viren sowie ihr Zusammenspiel mit den Zellen des Körpers besser zu verstehen.
Woran die Leipziger Teams forschen
Peter Stadler widmet sich der Frage, wie das Erbgut von Viren, die sogenannte RNA, mit bestimmten Eiweißen in unseren Zellen zusammenwirkt. Dabei geht es darum, besser zu verstehen, wie ein Teil unseres Immunsystems Viren erkennt und darauf reagiert.
Ein zweites Projekt kommt vom Institut für Wirkstoffentwicklung der Universität Leipzig. Humboldt-Professor Jens Meiler und Prof. Dr. Clara Schoeder erforschen in den kommenden vier Jahren, wie sich die Form bestimmter Virus-Eiweiße verändert. Meiler entwickelt dafür einen Algorithmus, der lernen soll, wie Antikörper mit Virusproteinen zusammenwirken. Auf dieser Grundlage entwickelt Schoeders Team neue Antikörper- und mögliche Impfstoffkandidaten. Anschließend werden sie gemeinsam mit den Partnern des Forschungsverbunds untersucht.
Langfristig soll der Forschungsverbund dazu beitragen, Eigenschaften bestimmter Viren besser vorherzusagen. Dadurch könnte künftig schneller und gezielter auf Virusausbrüche reagiert werden.