Wissenstransfer ist kein Anhang – er ist der Kern
In vielen Forschungseinrichtungen gilt Wissenstransfer als das, was am Ende kommt. Nach der Erhebung, nach der Auswertung, nach der Publikation. Ein Anhang. Eine Pflichtübung. Eine Pressemitteilung, die niemand liest. Das ist falsch.
Transfer beginnt am Anfang
Wer Forschungsfragen entwickelt, ohne die Perspektive der späteren Anwenderinnen und Anwender einzubeziehen, riskiert an den tatsächlichen Bedarfen vorbeizuforschen. Das klingt banal. Und trotzdem passiert es ständig.
Am F3 Dresden haben wir in den letzten Jahren konsequent damit begonnen, Praxispartner von Projektbeginn an einzubinden. Nicht als Beirat, der einmal im Jahr nickt – sondern als aktive Mitdenkende, die Fragestellungen mitformen und Zwischenergebnisse kommentieren.
Der Unterschied ist spürbar.
Was das konkret verändert
Drei Dinge haben sich durch diesen Ansatz verändert:
- Fragestellungen werden schärfer. Der Blick von außen deckt blinde Flecken auf, die im wissenschaftlichen Betrieb leicht übersehen werden.
- Ergebnisse werden anschlussfähiger. Wer weiß, wie Befunde später verwendet werden sollen, formuliert sie von vornherein anders.
- Der Transfer selbst wird kürzer. Was gemeinsam entwickelt wurde, muss weniger erklärt werden.
Das ist kein Plädoyer gegen wissenschaftliche Unabhängigkeit. Es ist ein Plädoyer für Forschung, die weiß, warum sie gemacht wird.
Testica Testmann leitet die Nachwuchsgruppe „Kontextuelle Bezüge" am Forschungsinstitut F3 Dresden.