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Hitze-Alarm im Mai: Europa und Indien brechen Rekorde

Eine außergewöhnliche Hitzewelle hat Westeuropa und Teile Südasiens erfasst. Frankreich und Großbritannien verzeichnen die heißesten Maitage seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. In Indien sterben allein an einem Tag mindestens 16 Menschen.

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Trockenheit und Hitze in Europa und Asien
Symbolbild Hitze / pixabay KevinSchmid

Eine außergewöhnliche Hitzewelle hat Westeuropa und Teile Südasiens erfasst. Frankreich und Großbritannien verzeichnen die heißesten Maitage seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. In Indien sterben allein an einem Tag mindestens 16 Menschen.

„Rekorde werden normalerweise nur um Zehntelgrade gebrochen – was diese Hitzewelle für diese Jahreszeit schlicht beispiellos macht.“

Met Office britischer Wetterdienst, 26. Mai 2026

Während in Westeuropa gerade das lange Pfingstwochenende zu Ende ging, schrieb der Kontinent Wettergeschichte: Sowohl Frankreich als auch Großbritannien registrierten am Pfingstmontag, dem 25. Mai 2026, die höchsten Temperaturen, die im Monat Mai jemals gemessen wurden. Gleichzeitig kämpfen weite Teile Indiens seit Tagen gegen eine der schwersten Hitzewellen der vergangenen Jahre. Die Ursache ist dieselbe: anomal starke Hochdrucksysteme, die heiße und trockene Luft aus Nordafrika und den Subtropen einschließen.

🇬🇧 Großbritannien: Heathrow bricht einen 102 Jahre alten Rekord

Am Pfingstmontag kletterte das Thermometer am Londoner Flughafen Heathrow auf 33,5 Grad Celsius – und übertraf damit den bisherigen britischen Mai-Rekord von 32,8 Grad, der zuletzt 1922 und 1944 gemessen worden war. Im Südwesten Londons wurden sogar 34,8 Grad registriert. Für den Dienstag, den 26. Mai, sagte der Wetterdienst Met Office für weite Teile Südenglands und Wales weitere Höchstwerte von bis zu 35 Grad voraus.

Besonders bemerkenswert: Auch die Nächte bieten keine Erholung mehr. Im Londoner Vorort Kenley sank das Thermometer in der Nacht zum Dienstag nicht unter 21,3 Grad Celsius – eine neue Tropennahckt-Marke für den Monat Mai seit Beginn der Aufzeichnungen. Tausende Briten nutzten den „Spring Bank Holiday“ für Strandausflüge; die Küsten bei Bournemouth am Ärmelkanal meldeten überfüllte Strände und volle Autobahnen.

🇫🇷 Frankreich: Sieben Tote, 352 neue Stationsrekorde

Noch dramatischer ist die Lage im Nachbarland. Der französische Wetterdienst Météo France meldete am Montag neue Monatsrekorde an 352 Wetterstationen, vor allem im Westen des Landes. Die höchste gemessene Temperatur betrug 37,1 Grad Celsius nahe Hossegor bei Biarritz. In Paris und anderen Großstädten wie Lyon, Toulouse und Bordeaux wurden über 34 Grad erreicht; für die laufende Woche erwarten Meteorologen in der Hauptstadt Spitzenwerte von bis zu 38 Grad.

Die Hitze hat bereits Menschenleben gefordert. Regierungssprecherin Maud Brégeon bestätigte im Fernsehsender TF1 sieben Todesfälle, die „direkt oder indirekt mit der Hitze zusammenhängen“: Fünf Menschen ertranken, zwei weitere starben bei Sportveranstaltungen – darunter ein 53-jähriger Läufer während eines Rennens in Paris. In acht Départements im Westen des Landes gilt die Warnstufe Orange – auch das ein Novum für den Monat Mai. Météo France warnte ausdrücklich: „Wir sind alle gefährdet – auch gesunde Menschen.“

Klimaforschende stufen das Ereignis als statistisch außergewöhnlich ein: Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Maitages liege bei eins zu 1.000, gemessen an Datenreihen seit 1979. Ursache ist ein „außergewöhnlich starker“ Hitzedom über Westeuropa – ein atmosphärisches Muster, das Klimaexperten zufolge durch den menschengemachten Klimawandel immer häufiger entsteht.

●  Was ist eine Hitzeglocke?

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) liegt West- und Mitteleuropa derzeit unter einem stabilen Hochdrucksystem, das die Luft durch einen nahezu wolkenfreien Himmel kontinuierlich aufheizt und dabei kaum entweichen lässt. Zugleich transportiert eine südliche Strömung heiße, trockene Luft aus Nordafrika in die Region – angereichert mit Saharastaub. Dieses Zusammenspiel verstärkt die Erwärmung erheblich und verzögert die nächtliche Abkühlung.

🇮🇳 Indien: Bis zu 50 Grad – 16 Tote allein in Telangana

Während Europa schwitzt, kämpft Südasien seit Tagen gegen eine der schwersten Hitzewellen der vergangenen Jahre. Große Teile des indischen Subkontinents – vor allem der Norden und das Zentrum des Landes – verzeichnen Temperaturen zwischen 45 und 50 Grad Celsius. In der Region Vidarbha im östlichen Bundesstaat Maharashtra wurde am Wochenende mit 47,1 Grad der Tageshöchstwert für ganz Indien gemessen.

Am härtesten betroffen ist derzeit der südliche Bundesstaat Telangana. Am 23. Mai starben dort laut lokalen Medien und der Nachrichtenagentur PTI mindestens 16 Menschen an den Folgen der extremen Hitze – an einem einzigen Tag. Finanzminister Ponguleti Srinivasa Reddy kommentierte die Lage mit den Worten: „Die Intensität der Hitze hat bisher unerreichte Höhen erreicht.“ Nicht alle Toten seien ausschließlich am Hitzschlag gestorben; viele hätten Vorerkrankungen gehabt, besonders ältere Menschen.

Besonders bedrohlich: Selbst in den Nachtstunden kühlt es vielerorts nicht mehr unter 30 Grad ab. Das Wetteramt verzeichnete in der Hauptstadtregion Delhi Temperaturen von bis zu fünf Grad über dem langjährigen Mittel. Die Behörden mehrerer Bundesstaaten riefen ältere Menschen, Kinder und schwangere Frauen auf, sich tagsüber nicht im Freien aufzuhalten. Auch die pakistanischen Provinzen Punjab und Sindh leiden parallel unter Temperaturen über 45 Grad.

Auch Italien und Spanien betroffen

Die Hitzewelle beschränkt sich nicht auf Frankreich und Großbritannien. Auch Italien erlebt nach einem ungewöhnlich kühlen und regnerischen Frühjahr die erste große Hitzewelle des Jahres. Das Gesundheitsministerium in Rom verhängte für mehrere Städte – darunter Turin, Bologna, Florenz und Rom – die rote Warnstufe wegen extremer Hitze. Spitzenwerte von bis zu 35 Grad wurden landesweit registriert, besonders betroffen ist Norditalien. Spanien ist ebenfalls von dem Hochdrucksystem erfasst.

33,5°C
Neuer Mai-Rekord in Heathrow, London (25.05.)
37,1°C
Frankreichs neuer Mai-Rekord nahe Hossegor/Biarritz
47,1°C
Tageshöchstwert in Vidarbha, Maharashtra (Indien)
1 : 1000
Statistische Wahrscheinlichkeit eines solchen Maitages in Frankreich

Klimawandel als Verstärker

Expertinnen und Experten sind sich einig: Hitzewellen dieser Intensität wären ohne den menschengemachten Klimawandel deutlich seltener – oder gar unmöglich. Gleichzeitig hatte die Pan-European Commission on Climate and Health der WHO erst wenige Tage zuvor, am 17. Mai 2026, einen 54-seitigen Bericht vorgelegt, der die WHO zur Ausrufung eines globalen Gesundheitsnotstands wegen der Klimakrise auffordert. Die aktuellen Ereignisse liefern den Kommissionsmitgliedern – darunter Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach – eindrückliche Belege für ihre Warnungen.

Für die laufende Woche ist in weiten Teilen Westeuropas keine rasche Entspannung in Sicht. Meteorologinnen und Meteorologen warnen vor weiteren Höchstwerten und zunehmender Gewittergefahr, wenn die Hitzeglocke schließlich bricht – was in einigen Regionen mit heftigen Unwettern verbunden sein könnte.

Quellen: tagesschau.de, dpa, Météo France, Met Office, ZDFheute, t-online, Euronews, DKKV, Blick, wetter.com (alle Mai 2026)